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paphnutius und andere jäger

Veröffentlicht von Matthias Wolff am 25. Februar 2012
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1986 war ich in den herbstferien in der abtei schlägl. der damalige abt florian pröll o.praem. nahm mich eines nachts mit auf die jagd: ich auf einem hochsitz und mehr oder weniger angestrengt in die dunkelheit des böhmerwaldes starren. es hat gedauert, bis aus dem starren ein sehen, aus dem lauschen ein hören und aus dem atmen ein riechen wurde.
ein jahr später dann habe ich in einer anderen abtei viel zeit verbracht und oft die wanderungen durch die landschaften des waldviertels genossen und mitunter an die jagd in oberösterreich zurück gedacht.
gegenwärtig vermisse ich meine wanderungen im hohen venn. seit über einem halben jahr war ich nicht mehr in der stille und weite dieser landschaft eintauchen. vielmehr fesselt mich die eine und dann die nächste angelegenheit an meinen alltag. dazu kommen die vielen gelegenheiten, die ich mir selbst anschaffe, damit oder wodurch ich beschäftigt bin: ‘muss nur noch kurz die welt retten und 148 mails checken…’
ich weiß nicht genau, ob ich es bin, der diesen dingen hinterher jagd oder umgekehrt?!
ich habe im kloster viel über die monastische tradition gelernt und über die wüstenväter, gerne in den apophtegmata patrum gelesen. vor der einkleidung hieß es da vielfach, dass einer der neuen novizen den namen eines wüstenvaters bekommen werde: paphnutuis, onophrios, pachomios…
diese männer des 3. jahrhunderts aus der ägyptischen wüste haben nichts anderes versucht, wie ich auf meinem hochsitz im böhmerwald: jagen.
heute jagt mich eher der zeitgeist: erfolg haben, gewinn maximieren, up-to-date-sein, karriere machen… es jagen der chef, die bank, die werbung…
paphnutuis und kollegen jagten den anderen geist: still werden, hineinhören, hineinbeten – in IHN und in mich.
das ist fastenzeit: vom wüsten vater zum wüstenvater. wieder hinhören üben und lernen. nicht mehr jagen lassen, sondern still werden und aufmerksam für die leisen töne. vom gejagten zum jäger.
auf dem hochsitz hab ich das erlebt: erst ist es ganz dunkel und alles unsichtbar. dann erkenne ich um mich mehr und mehr, kann schließlich in der dunkelheit alles sehen…
erst ist es bedrückend lautlos. dann höre ich langsam töne und geräusche, die vorher unmerkbar waren…
psalm 34 sagt: ‘suche den frieden und jage ihm nach’. wie paradox?!
dazu müssen aber erst augen und ohr und herz zur ruhe kommen, die sinne geschärft sein.
deshalb ist wohl jesus in die wüste gegangen und wird uns dieses evangelium an den anfang der fastenzeit gestellt: leer werden, damit ich gefüllt werden kann.
es geht nicht um verzichten in der fastenzeit, nicht um einschränkung und opfer! es geht um sowas wie konzentration, aufmerksamkeit, es geht um die jagd – nach dem geist gottes.
es geht um das frei werden. frei für IHN.
beim morgengebet ist mir dieser gedanke gekommen: ‘ich schenke euch ein neues herz und lege einen neuen geist in euch’ (Ez 36, 26), hieß es da.
das möcht ich zu gern wieder mal erleben. den geist gottes spüren, von ihm angerührt, gepackt werden. deshalb verzichte ich in diesen 40 tagen vor ostern, suche ich die scheinbar öde wüste, die stille, die ruhe – jage ich so seinem geist nach, wie der jäger auf seinem hochsitz; konzentriert, ruhig, unabgelenkt.
wüstenvater und jäger – 40 tage.

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der name ist programm

Veröffentlicht von Matthias Wolff am 24. Februar 2012
Posted in: alltag ein - tag aus. Hinterlasse einen Kommentar

es ist über 20 jahre her, dass ich zuletzt am grab des hl. matthias in trier  war. ich hatte dort exerzitien gemacht.
ich stand vor der wahl: weitermachen oder neuanfang.
das sagt dazu dieser name, dieser mann: matthias ( מתתיהו ) = von gott gegeben.
mir ist etwas gegeben. aber die entscheidung, die wahl, es anzunehmen, die treffe ich, nur ich. dieser hl. matthias, der zwar von anfang an wohl zum freundeskreis dieses jesus gehört hat, aber erst als ‘alles’ passiert war vor die wahl gestellt wurde:
‘Einer von den Männern, die mit uns zusammen waren in der Zeit, als der Herr Jesus bei uns ein und aus ging – einer von diesen muß mit uns Zeuge für seine Auferstehung sein.’ (Apg 1,21)
schließlich haben die apostel das los geworfen und matthias wurde es. ihm wurde diese chance gegeben, voran zu schreiten. er musste nur noch seine wahl treffen, die wahl annehmen.
‘der name ist programm’ – vielleicht auch meiner?! nicht still stehen, nicht warten! das von gott gegebene annehmen, das mir gegebene nutzen, meine talente annehmen. etwas machen, etwas daraus machen…
der tag des hl. matthias fällt immer irgendwie an den beginn der fastenzeit – das ist dann auch jedes jahr wieder die einladung: meine wahl treffen – aus dem namen mein programm machen – aufstehen und weitergehen.
die herausforderung berufung annehmen, mutig mit IHM den weg weitergehen und schließlich doch nur mit dem, was ich bin und kann ‘zeuge für seine auferstehung sein’.

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fanta sieben

Veröffentlicht von Matthias Wolff am 13. Februar 2012
Posted in: alltag ein - tag aus. 1 Kommentar

‘die glorreichen sieben’ haben es mir unter den vielen western immer besonders angetan (neben high noon – natürlich – noch in schwarz-weiß). in den sonnenaufgang reiten, eine stadt vor schurken und banditen retten… charles bronson, yul brynner…
sieben. nicht nur im film nimmt diese zahl mich gefangen.
die fantastischen sieben gaben des hl. geistes fesseln mich jedes mal, wenn ich sie betrachte oder um sie bete:

WEISHEIT – die gabe der weisheit ermöglicht mir, alles so wie es ist, zu sehen, die dinge, situationen und menschen mit den augen der liebe zu betrachten. sie gibt mir gelassenheit, wenn das, was ich erlebe, meinen verstand übersteigt. durch sie erhalte ich lebensfreude, kraft zur hoffnung und um verantwortung zu übernehmen.
EINSICHT / VERSTAND – verstand ist die bewusste tätigkeit des nachdenkens und einsicht deren ergebnis. es geht darum, gott besser zu verstehen. die gabe der einsicht bewirkt, dass ich mich vom geheimnis des lebens berühren lasse.
RAT – die gabe des rates hilft mir, in verschiedenen lebenssituationen entscheidungen zu treffen. sie gibt mir orientierung bei meinen lebensentscheidungen und kann mich vor falschen oder überstürzten entscheidungen schützen. mit der gabe des rates kann ich den willen gottes für mein leben erkennen. zu ihr gehört auch die phantasie, neue werte, wege und ziele zu entdecken.
ERKENNTNIS – die gabe der erkenntnis führt zu einer tieferen sicht dessen, was ich erlebe. sie hilft gut und böse zu unterscheiden und ereignisse einzuordnen. mit ihr suche ich antworten auf meine sinnfragen. sie lässt mich mein leben und die welt aus der sicht des glaubens und vertrauens deuten.
STÄRKE – die gabe der stärke bedeutet, nach gottes willen zu handeln, zu reden, zu leben, das als gut und richtig erkannte auch zu verwirklichen. stark sein bedeutet auch in schwierigen oder dunklen zeiten weiter zu glauben. die gabe der stärke hilft mir, meinen eigenen überzeugungen treu zu bleiben. sie befreit. sie bewirkt, dass ich mit gesundem selbstbewusstsein zu mir stehen kann.
FRÖMMIGKEIT – die gabe der frömmigkeit bewirkt die persönliche bindung an den persönlichen gott – gott zu dem ich du sagen darf. frömmigkeit bedeutet hingabe, vertrauen und freude an gott. sie bewirkt, dass ich die menschen lieben kann.
GOTTESFURCHT – die gabe der gottesfurcht ist nicht lähmende angst. sie bewirkt vielmehr die freude an gott, ehrfurcht vor dem “ganz-anderen”. gott, der mir gleichzeitig liebend nahe und ganz anders ist. es geht um mein begrenztes menschsein, geschöpfsein im vergleich zu gottes unendlicher liebe, güte und größe. gottesfurcht bewirkt freund gottes zu sein.

fanta sieben! ich bin so froh darüber! ich bin so ruhig durch sie. ich bin so erstaunt…
während ich nämlich in den letzten tagen wieder mehr mit diesen gaben des geistes beschäftigt bin, sie meditiere und darum viel bete, erkenne und erfahre ich, wie sie sich längst in meinem leben und alltag spiegeln, wie ich sie hautnah in menschen und  begegnungen erfahre. es gibt die glorreichen sieben tatsächlich – in meinem leben – die geistesgaben und die, in denen sie mir erlebbar sind: mein mann, mein bester freund, meine mutter und meine schwester, der bekannte, auch ich selbst und letztlich christus.
dann fühle ich mich wieder gut und ruhig, die dunkle durchwachte und durchbetete nacht ist um: ich kann in den sonnenaufgang reiten und es mit einer ganzen einer ganzen horde schurken aufnehmen – befreiung wagen!
oder, mit dem psalmisten gesagt: mit gott (und seinem geist und den menschen, die er mir in den lebensweg gestellt hat) überspringe ich mauern.
so einfach geht leben mit gottes geist. so viel spaß macht glauben.
fanta sieben – gut dass es sie gibt, dass ER sie gibt!

 

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panama – oh wie schön ist panama

Veröffentlicht von Matthias Wolff am 11. Februar 2012
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du kannst es so oder so sehen.
es ist kalt (geworden), eisig um dich herum. eiszeit. auszeit?! um dich rum ist alles zugefroren. die kälte kriecht dich an. dir begegnet alles und jeder (scheinbar) eisig. du beginnst hinter jedem baum einen indianer zu sehen, selbst dort, wo keine bäume sind…
schließlich friert um dich alles zu. der klare fluss, das erfrischende wasser ist nicht mehr da, eine große eiswüste breitet sich um dich aus. lebensfeindlich und unfreundlich.
du kannst es so sehen!?

du stehst auf einem stück land, um dich ist wasser. du siehst ein ufer irgendwo auf der anderen seite. es ist schön zu sehen, es wäre interessant dort hin zu kommen. aber du scheust den weg, die mühe, den aufwand. willst keine nassen füsse bekommen…
dann nimmt plötzlich die kälte um dich zu, es bläst dir eisig ins gesicht und am ende stehst du in einer eiswüste. der bisher unsichere weg an dieses andere begehrenswerte oder auch nur interessante ufer ist fest, trägt. was nur noch vorsicht gebietet, ist die glätte.
du kannst es auch so sehen!
jetzt kannst du den weg wagen. die glätte unter deinen schritten kriegst du in den griff, wenn du jeden schritt vorsichtig setzt, wenn du genau auf den weg achtest…
es ist nicht der schnelle weg, es ist nicht der fröhliche und bequeme weg. aber das eis, das um dich entstanden ist, trägt dich, trägt dich zu neuen ufern und zum horizont…
wie heißt es im evangelium vom sonntag: ‘er antwortete: lasst uns woandershin gehen…’ (MK1, 38a).
dann mal los – wir gehen – ER und ich – er auch – du und die anderen – wir…
denn das macht dich doch tatsächlich aus und lässt die eismacher in ihrer eigenen kälte starr sein, dass macht deinen sicheren weg aus: du gehst nicht allein, du bist gestützt, begleitet und geführt. wie ein pilgerzug, eine wallfahrt, eine winterwanderung, ein bischen auch ein narrenzug (aus sicht der eismänner?!)…
oder wie augustinus sagt: lasst uns jetzt singen, nicht zur freude beschaulicher ruhe. wie die pilger zu singen pflegen: singe und gehe. singend tröste dich über die mühe, liebe nicht die verdrossenheit. singe und gehe!
dann mal los!
oder wie heißt es bei janosch: oh, wie schön ist panama…

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wo wohnt derrick?

Veröffentlicht von Matthias Wolff am 19. Januar 2012
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wo wohnst du?
seltsame frage an jesus im letzten sonntagsevangelium.
es findet sich ja auch wirklich nicht viel bis gar nichts privates über ihn in seiner biographie, der bibel.
eigentlich wie bei derrick. da erfuhr man auch jahrelang während der serie nie etwas über den privatmann. wo er wohnt, ob er ein wannenbad oder nur eine dusche hatte, wie und mit wem er lebt, ob und wie er liebt… nur immer büro, tatort und harry, der den wagen holte.

und jesus? auch so ein serienheld?!
immer unterwegs – hier eine podiumsdiskussion in einer synagoge – dort ein arbeitsessen mit pharisäern – eine schulung für seine anhänger – dann ein event ‘umsonst und draussen’ an einem see – eine heilung hier und ein wunder dort…
aber etwas über ihn privat, wo er wohnt? eher fehlanzeige.

gut, das hab ich schon auch früher gehört: jesus wohnt im tabernakel – diesen ‘goldschmiedebrotschrank’ in katholischen gotteshäusern; jesus wohnt in deinem herzen; jesus lebt in der gemeinschaft der glaubenden…
alles schön und gut. aber auch alles nur wie bei derrick, alles dienstlich!
nicht mal was, ob jesus abends nach so einem wundertag zum feierabend selbst gekocht hat; oder überhaupt, was sein lieblingsessen war; wie sein wohnzimmer aussah und welche musik er hörte; ob er gern ins kino, bzw. amphitheater ging und wer seine lieblingsdramatiker etwa waren; ob er hobbys hatte so als zimmermannssohn – vielleicht angeln…
da ist die frage dieser männer doch berechtigt. da ist doch verständlich, dass sie mehr google-mäßige info über den mann wollten, der behauptet, er sei der weg und dass man ihm folgen solle?!

seit über 30 jahren laufe ich diesem jesus nun nach und komme erst jetzt auf die frage: wohin eigentlich?

dazu fallen mir geschichten über ihn ein: bei maria und martha, die berufung seiner jünger, der besuch bei der schwiegermutter von petrus, der hauptmann von kafarnaum, ostern in jerusalem…
sehnsucht erwacht. sehnsucht mehr zu wissen, näher zu kommen. sehnsucht verdrängt die frage ‘wo wohnst du?’ durch die hoffnung auf ein ‘endlich ankommen – nach hause’.
wann sind wir da? diese alte kinderfrage…

reichlich ratlos hat das jahr begonnen. es hat mich innerlich unruhig gefunden.
wann bin ich endlich da? wann bin ich zu hause?
wo ist das? was ist das?

ankommen oder weiter?
wieder aufbrechen?
laufen, nachfolgen?

die serienhelden reiten an dieser stelle wohl in den sonnenuntergang.
oder sagen: harry, hol schon mal den wagen.

und was sagt jesus mir? dieses jahr?
zu dir oder zu mir!

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