kannze purzelbaum? mach ma! – hätte der engel auch sagen können! hat er aber nicht, sondern überliefert ist die heimsuchung mariens anders bei lukas (Lk 1, 26-38).
mich erinnert das trotzdem an meine kindheit und diese frage, ob ich diese ‘kindersaltos’ kann. ich habs einfach gemacht, wie ich es bei den anderen gesehen habe. die bestnote gabs nicht dafür. aber es hat irgendwie funktioniert.
maria hats eigentlich auch nicht anders gemacht. zwar fragt sie noch etwas unsicher nach, macht es dann aber einfach mal: angstfrei, mutig, vertrauend, ins ungewisse – diese rolle vorwärts.
vertrauen ist gut – kontrolle ist besser?! genau das gegenteil! hätte maria sich danach verhalten, dann wäre es wohl nix mit weihnachtsbaum und christstollen nächstes wochenende.
dieser mut, dieses gott-vertrauen!
der pure wahnsinn eigentlich, auf den ich mich da mit diesem gott eingelassen habe.
eine geschichte, an der sich die geister scheiden. eine ledige und in wilder ehe lebende schwangere… ein kind, das die rettung der welt sein soll… ein wanderprediger und produzent von kalendersprüchen… ein am kreuz hingerichteter revolutionär und pseudosozialist… ein alien-ähnlicher geist bei seinen fans… eine argumentationskeule bei seinen sogenannten nachfolgern…
da wird die schwachheit zur stärke erhoben; das versagen zum sieg; da widerspricht alles den täglichen lebenswirklichkeiten und geschichtlichen erfahrungen!
auch das habe ich als kind mit den freunden gemacht: vor der krippe in der st.-josefs-kirche gestanden und überlegt, wer wir in der szenerie sein möchten.
da waren maria und joseph, die engel, die hirten, dann die könige und schafe, ochse, esel.
wer wäre ich?
die magier, die mit wissenschaftlichen methoden nach der rettung suchen und damit bei den reichen und mächtigen anfangen?
die hirten, die grad nichts besseres zu tun haben und denen diese seltsame szenerie in ihrem stall eine willkommene ablenkung ist?
die engel, die als dienstbare geister des höchsten einfach ihren job machen?
maria oder joseph, dieses ausgelieferte und mittellose migrantenpaar ohne alternativen?
die schafe als getriebene und willenlose herde?
ochse oder esel?
dieses kind?
begreife einer diesen gott – dem purzelbaum-machen offenbar spaß macht, der versager zu siegern und feiglinge zu helden macht!
und ich?
mach mal – gott!
ich hab so sehnsucht nach purzelbäumen – ich trau mich nur nicht…
‘da sprach der engel: der herr ist mit dir. (…) fürchte dich nicht!’ – du kannst purzelbaum! mach mal!
ich esel!
aus dem lukasevangelium:
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.


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