O wie ist die Luft so linde,
Und der Himmel rein und blau!
O wie sind die Morgenwinde
Schon so weich und maienlau!
Ist der Winter schon geschlagen?
Bricht der Frühling schon herein
Mit den holden Blumentagen,
Mit dem hellen Sonnenschein?
Siehe, wie die Knospen schwellen,
Von der milden Luft berührt,
Von dem früherwachten, hellen
Sonnenglanze leicht verführt!
Ach! und doch so bald verglommen
Ist das trügerische Licht:
Heulend wird ein Sturm noch kommen,
Der im Keim die Blüthen bricht.
Arme Blume, die dem Kosen
Dieser Luft zu früh geglaubt!
Bald in Schnee und Sturmestosen
Sinkt dahin dein zartes Haupt;
Wie ein Herz, das froh und muthig
Traute auf den goldnen Schein,
Aber nun, zerrissen, blutig,
Weint in dunkler Nacht allein.
[Julius Wilhelm Fischer]


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