surrexit dominus vere, alleluia
christus ist wahrhaft auferstanden, halleluja!
‘ich nagel sie ans nächste kreuz’, hat ein chef mal zu mir gesagt.
ich denke in den letzten tagen oft über diese verbale kreuzigung nach.
da hat also allen ernstes jemand mir den kreuzestod an den hals gewünscht?!
eigentlich könnte ich sagen, dass ich damit in bester gesellschaft bin: als christ am kreuz enden – mehr nachfolge geht kaum?!
lese ich die passion, die leidensgeschichte jesu, so fällt mir auch dort der offene hass auf und die angst vor diesem jesus, die beide – hass und angst – die mächtigen (in jerusalem) dazu treibt, jemanden ans nächste kreuz zu schlagen, jemandem das leben schwer zu machen, unterträglich…
es fällt mir nicht leicht, über kreuz und tod jesu nachzudenken. immer schwingt bei diesen gedanken (insbesondere an den kartagen) die helle vorfreude auf osternacht mit.
ich bin meist gedanklich am gründonnerstag schon über den ‘garstigen ostergraben’ hinweg und denke an exultet und osterliturgie, an osterkerze und halleluja…
vielleicht ist es genau das, was jenen chef und mich unterscheidet: die zwei balken des kreuzes?! der querbalken, der festhält, runterzieht auf der einen, und der kreuzesstamm, der nach oben wächst, aufrichtet und weiter weist, auf der anderen seite!?
ist es diese leise ahnung, dass du lange vor golgotha schon gerettet bist, dieses zärtlich freudige ostererwachen, das dich unterscheidet von denen, die dir ‘den tod an den hals’ wünschen und mit diesem gekreuzigten nichts anfangen können?!
schon paulus schreibt im erster korintherbrief: ‘wir dagegen verkünden christus als den gekreuzigten: (…) für heiden eine torheit, für die berufenen aber (…) christus, gottes kraft und weisheit.’ (1 Kor 1,24)
ich kann es nicht begreifen, ich habe nur eine ahnung, es treibt mich jahr für jahr um und ich lasse mich je neu darauf ein: dieses unerhörte geheimnis und geschehen, das ich an diesen drei tagen wieder erinnern und mitfeiern kann, das mir gewiss macht in diese zweitausendjährige mahlgemeinschaft des gründonnerstag eingefügt zu sein, in gethsemani mit zu rasten, auf golgotha mit zu weinen, schließlich in emmaus zu erfahren: ‘tod, wo ist dein stachel’ (1 Kor 15,55)?!
wie der indianer keinen schmerz kennt, kennt der christ keine verzagtheit – auch nicht an karfreitag, auch nicht in meinen kreuzwegen und den kreuzigungen meines alltags.
‘aus einem verzagten arsch kommt kein fröhlicher furz’, sagt luther. so ein satz zum karfreitag? ja, weil ich mein ostern ahne und emmaus schon spüren kann: es ist der liebende gott, der mit mir und den freunden zu tisch sitzt und sich in brot und wein verschwendet; es ist der gütige jesus, der mir in der fusswaschung den weg des liebenden dienens zeigt; es ist der trotzdem stolze jesus, der schmähung, verrat und verleugnung erträgt; es ist der geschundene christus, der mir vom kreuz herab die hand reicht, mich aufrichtet; es ist der kreuzesstamm, der mir die richtung weist; es ist gottes schwachheit, die mir stärke gibt – da ist kein platz und grund für einen verzagten arsch!
es ist das leere grab und es ist der emmausgang, die mir klar machen, wie es weiter geht, dass die ganze geschichte gut ausgeht, die fröhliche winde erzeugen.
‘tod, wo ist dein stachel, hölle, wo ist dein sieg?’
aber das ist schon die nächste geschichte…
von Eugenie Marlitt
Es reift am Lebensbaum in immer neuer
Und wechselnder Gestalt wohl manche Frucht,
Doch drunter wacht ein mächtig Ungeheuer,
Das lauert tückisch, ob der Mensch versucht
Nach jenem Schatz die kühne Hand zu heben!
Es lächelt hämisch, wenn er kämpft und ringt.
O laß die Frucht! Du wirst sie nie erstreben,
Weil stets das Ungeheuer sie verschlingt.
Die gold´nen Früchte nennt man: Lebensglück,
Das Ungeheuer aber Mißgeschick!
1986 war ich in den herbstferien in der abtei schlägl. der damalige abt florian pröll o.praem. nahm mich eines nachts mit auf die jagd: ich auf einem hochsitz und mehr oder weniger angestrengt in die dunkelheit des böhmerwaldes starren. es hat gedauert, bis aus dem starren ein sehen, aus dem lauschen ein hören und aus dem atmen ein riechen wurde.
ein jahr später dann habe ich in einer anderen abtei viel zeit verbracht und oft die wanderungen durch die landschaften des waldviertels genossen und mitunter an die jagd in oberösterreich zurück gedacht.
gegenwärtig vermisse ich meine wanderungen im hohen venn. seit über einem halben jahr war ich nicht mehr in der stille und weite dieser landschaft eintauchen. vielmehr fesselt mich die eine und dann die nächste angelegenheit an meinen alltag. dazu kommen die vielen gelegenheiten, die ich mir selbst anschaffe, damit oder wodurch ich beschäftigt bin: ‘muss nur noch kurz die welt retten und 148 mails checken…’
ich weiß nicht genau, ob ich es bin, der diesen dingen hinterher jagd oder umgekehrt?!
ich habe im kloster viel über die monastische tradition gelernt und über die wüstenväter, gerne in den apophtegmata patrum gelesen. vor der einkleidung hieß es da vielfach, dass einer der neuen novizen den namen eines wüstenvaters bekommen werde: paphnutuis, onophrios, pachomios…
diese männer des 3. jahrhunderts aus der ägyptischen wüste haben nichts anderes versucht, wie ich auf meinem hochsitz im böhmerwald: jagen.
heute jagt mich eher der zeitgeist: erfolg haben, gewinn maximieren, up-to-date-sein, karriere machen… es jagen der chef, die bank, die werbung…
paphnutuis und kollegen jagten den anderen geist: still werden, hineinhören, hineinbeten – in IHN und in mich.
das ist fastenzeit: vom wüsten vater zum wüstenvater. wieder hinhören üben und lernen. nicht mehr jagen lassen, sondern still werden und aufmerksam für die leisen töne. vom gejagten zum jäger.
auf dem hochsitz hab ich das erlebt: erst ist es ganz dunkel und alles unsichtbar. dann erkenne ich um mich mehr und mehr, kann schließlich in der dunkelheit alles sehen…
erst ist es bedrückend lautlos. dann höre ich langsam töne und geräusche, die vorher unmerkbar waren…
psalm 34 sagt: ‘suche den frieden und jage ihm nach’. wie paradox?!
dazu müssen aber erst augen und ohr und herz zur ruhe kommen, die sinne geschärft sein.
deshalb ist wohl jesus in die wüste gegangen und wird uns dieses evangelium an den anfang der fastenzeit gestellt: leer werden, damit ich gefüllt werden kann.
es geht nicht um verzichten in der fastenzeit, nicht um einschränkung und opfer! es geht um sowas wie konzentration, aufmerksamkeit, es geht um die jagd – nach dem geist gottes.
es geht um das frei werden. frei für IHN.
beim morgengebet ist mir dieser gedanke gekommen: ‘ich schenke euch ein neues herz und lege einen neuen geist in euch’ (Ez 36, 26), hieß es da.
das möcht ich zu gern wieder mal erleben. den geist gottes spüren, von ihm angerührt, gepackt werden. deshalb verzichte ich in diesen 40 tagen vor ostern, suche ich die scheinbar öde wüste, die stille, die ruhe – jage ich so seinem geist nach, wie der jäger auf seinem hochsitz; konzentriert, ruhig, unabgelenkt.
wüstenvater und jäger – 40 tage.